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Oberhof/Großbreitenbach (rab) "Wissen Sie: Biathlon im Fernsehen gucken, das kann doch jeder! Live dabei sein, das ist etwas ganz anderes." Aus Brandenburg ans Hammertor Wenn Sie das einmal erlebt haben, dann kommen Sie immer wieder. Und irgendwann wollen Sie nicht mehr einfach nur live zuschauen, sie wollen sich beteiligen, dazu gehören. Und so sind wir Kampfrichter geworden." Matthias Bulgrin, 44-jähriger Mitarbeiter bei einem Stahlhandel, kann durchaus leidenschaftlich werden, wenn es um seine große Leidenschaft geht: Biathlon! Und die lebt er in dieser Weltcup-Woche auf seinem Kampfrichter-Posten am Schießstand, bei der manuellen Ergebnis- erfassung, voll aus. Genauso wie seine Vereinskollegen Beate und Thomas Wichmann, die auch zur Schar der rund 150 Kampfrichter beim Oberhofer Weltcup gehören. Das besondere daran: Matthias Bulgrin und die Wichmanns kommen aus keinem etablierten Thüringer Biathlon-Verein, sondern vom SV Schorfheide aus Brandenburg und dürften damit, wie Wettkampfleiter Gerhard Köhler bestätigt, die Weltcup- Kampfrichter mit den territorial entferntesten Wurzeln sein. Das klingt exotisch, ist aber durchaus handfest: Die Schorfheider haben eine eigene Biathlon-Abteilung mit 104 Mitgliedern, darunter 62 aktive Sportler und Helfer, vier Übungs- und drei Schießleiter und ein exorbitant-prominenter Name: Frank Luck! Denn der Sponsor, den "Lucki" repräsentiert, hat im benachbarten Liebenberg einen wichtigen Sitz. Partnerverein der Schorfheider in Thüringen ist aber der Großbreitenbacher Skiverein, und das Kampfrichtertrio hat denn auch in der dortigen Pension "Fuchsbau" der Familie Stuhl sein Quartier.. Beim GSV hängengeblieben "Eigentlich war es eine Biertisch-Idee, geboren im Februar 2006", berichtet Thomas Wichmann, Chef der Brandenburg-Biathleten. "Wir waren alle Fans dieses Sports und meinten, das wäre was für uns. Und weil die familiären Wurzeln unserer Leute eher nach Thüringen als nach Sachsen reichten, haben wir uns dort nach einem Partnerverein umgeschaut, einfach so im Internet. Beim Großbreitenbacher SV sind wir hängengeblieben." Aus der Biertischidee ist inzwischen eine richtige Wettkampfstätte mit zehn Luftgewehr-Schießständen und einer Rollerstrecke geworden, die angrenzenden örtliche Straßen nutzt, aber auch auf 600 Metern neu angelegt wurde, finanziell von der Gemeinde mit unterstützt. Es gab gemeinsame Trainingslager mit Großbreiten- bachern, und es haben auch schon Schorfheider Biathleten als Gäste an Thüringer Schülermeisterschaften teilgenommen, als die Großbreitenbacher diese ausrichteten. Thomas Wichmann: "Während andere Vereine um Nachwuchs kämpfen müssen, haben wir eine Warteliste. Die ist nicht all zu groß, aber wir wollen andererseits auch nicht riskieren, dass wir die Kinder dann nicht richtig betreuen können. Wenn man so will sind wir in eine echte Sport-Marktlücke in Brandenburg gestoßen." Schorfheider Fan-Gruppe Parallel dazu starteten Thomas Wichmann und Matthias Bulgrin ihre Kampfrichter- laufbahn. Sie sind auch Mitglieder im Großbreitenbacher SV, absolvierten die nötigen Lehrgänge in Thüringen. Gerhard Köhler persönlich nahm die Prüfung ab. Im letzten Winter waren sie als Kampfrichteranwärter dabei, bei der Sommerbiathlon- WM hatten sie die ersten Einsätze. Thomas Wichmann (52), heute Elektronik-Handelsvertreter, arbeitet beim Weltcup 2010 im Anti-Doping-Bereich, begleitet dort die ausgelosten Sportler zum Testlabor. Natürlich ist der SV Schorfheide beim Weltcup 2010 auch mit einer Fan-Gruppe dabei. Deren 441 km bis zum Grenzadler sind zwar kein Anfahrt-Rekord, aber: Zum Biathlon hinfahren, das kann ja jeder - und ihn zu Hause dann auch noch selbst betreiben ... rab Freies Wort, Freitag, 08.01.2010
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